SAP 2027/2030 — Die S/4-Frage ist keine ERP-Frage, sondern eine Landschaftsfrage

Technologie-Risiko3 Min. LesezeitAktualisiert am 29.08.2026

Die Mainstream-Wartung für SAP Business Suite 7 endet 2027, gegen Aufpreis läuft die erweiterte Wartung bis Ende 2030. Die eigentliche Unbekannte der Migration ist aber nicht das ERP selbst, sondern der Kranz aus Schnittstellen, Umsystemen und Eigenentwicklungen darum herum — und den kennt in vielen Häusern niemand vollständig.

Kaum ein Termin der Unternehmens-IT ist so lange bekannt wie dieser: Ende 2027 läuft die Mainstream-Wartung für die SAP Business Suite 7 aus, gegen Aufpreis geht es bis Ende 2030 weiter — die Zusage stammt aus dem Februar 2020. Sieben Jahre Vorlauf, öffentlich dokumentiert. Und trotzdem wird ein erheblicher Teil der Migrationen im Zeitdruck enden. Warum?

Das ERP ist der meistverbundene Knoten

Die ehrliche Antwort: Weil die Unbekannte der Migration nicht im ERP steckt. SAP-Systeme selbst sind gut verstanden — es gibt Werkzeuge, Vorgehensmodelle und einen ganzen Beratungsmarkt dafür. Die Unbekannte ist der Kranz: die Dutzende bis Hunderte Umsysteme, die über die Jahre an das ERP gewachsen sind. Produktionsleitsysteme, Lagersteuerungen, Webshops, Reporting-Strecken, das Kreditoren-Tool aus 2011, die Eigenentwicklung, deren Autor das Haus 2019 verlassen hat.

Jede dieser Verbindungen ist bei der Migration eine Entscheidung: mitnehmen, neu bauen, ablösen, sterben lassen. Der Projektaufwand verteilt sich entsprechend — in gewachsenen Landschaften liegt der größere Teil von Aufwand und Risiko erfahrungsgemäß außerhalb des ERP-Kerns. Wer die Migration als ERP-Projekt plant, schätzt also systematisch am Problem vorbei.

Aufwand schätzen kann man erst, wenn man zählen kann

Vor der Frage „Greenfield oder Brownfield?" steht eine banalere: Wie viele Schnittstellen haben wir eigentlich, und welche davon leben noch? In Häusern ohne gepflegtes Inventar beginnt die Migration deshalb mit einer teuren Archäologiephase — Interviews, Netzwerkanalysen, Codegrabungen. Das Ergebnis ist eine Momentaufnahme in Projektfolien, die mit dem Projektende zu veralten beginnt.

Die Alternative ist unspektakulär: die Abhängigkeiten als geführten Bestand zu behandeln. Jede Anwendung kennt ihre Verbindungen zum ERP, jede Verbindung hat einen Verantwortlichen, und der wird regelmäßig gefragt, ob die Angabe noch stimmt. Das klingt nach Fleißarbeit — es ist aber exakt die Datengrundlage, die jede Migrationsschätzung braucht, und sie bleibt nach der Migration wertvoll, weil das Neue genauso dokumentiert werden muss wie das Alte. Die Grundsatzfrage dahinter — warum eine bestätigte Angabe mehr wert ist als eine erhobene — behandeln wir hier.

Die Gelegenheit im Zwang

Eine Migration mit Stichtag ist auch eine seltene Gelegenheit: Sie zwingt zur Inventur — und eine gute Inventur findet mehr als Schnittstellen. Sie findet die Anwendungen, die seit Jahren dasselbe tun wie das ERP-Modul daneben; die Verträge, die still weiterlaufen, obwohl das System kaum noch genutzt wird; die Wartungsenden der Umsysteme, die zufällig in denselben Zeitraum fallen und sich im selben Programm günstiger lösen lassen als einzeln.

Häuser, die das nutzen, planen die S/4-Umstellung nicht als Systemtausch, sondern als Portfoliobereinigung mit Termin: Was der Kranz an Ballast trägt, fliegt vor der Migration raus — jede abgelöste Anwendung ist eine Schnittstelle, die nicht migriert werden muss. So herum finanziert die Bereinigung einen Teil der Migration.

2030 ist näher, als der Beratermarkt glaubt

Wer heute auf die erweiterte Wartung bis 2030 setzt, sollte zwei Rechnungen aufmachen. Die eigene: erhöhte Wartungssätze über drei Jahre, plus das Risiko, mit einer alternden Plattform durch eine Zeit wachsender Sicherheitsanforderungen zu fahren — der IT-Grundschutz-Gedanke, Systeme nur in gewartetem Zustand zu betreiben, gilt für das größte System zuerst. Und die des Marktes: Je näher der Stichtag, desto knapper und teurer die Migrationskapazität, denn alle Nachzügler drängen in dasselbe Zeitfenster.

Beide Rechnungen führen zum selben Schluss: Der billigste Teil der Migration ist der, den man früh und mit vollständigem Lagebild plant. Das Lagebild ist der Teil, den man heute anfangen kann — ganz ohne Migrationsentscheidung.

Häufige Fragen

Wann endet die Wartung für SAP ECC wirklich?

SAP hat die Mainstream-Wartung für die Business Suite 7 (und damit ECC 6.0) bis Ende 2027 zugesagt; danach ist gegen Aufpreis eine erweiterte Wartung bis Ende 2030 möglich. Für S/4HANA gilt eine Wartungszusage bis 2040. Wer 2030 als „echtes" Ende einplant, kauft sich die drei Zusatzjahre mit erhöhten Wartungssätzen — und verschiebt das Problem in einen Zeitraum, in dem Beraterkapazität knapper und teurer sein dürfte.

Warum ist die Migration mehr als ein ERP-Projekt?

Weil das ERP in gewachsenen Häusern der meistverbundene Knoten der Landschaft ist: Dutzende bis Hunderte Schnittstellen zu Produktions-, Logistik-, Personal- und Reporting-Systemen, dazu Eigenentwicklungen im Kern. Der Umstellungsaufwand und das Risiko stecken überwiegend in diesem Kranz — und der ist selten vollständig dokumentiert.

Was sollte vor der Migrationsplanung stehen?

Ein bestätigtes Bild der Abhängigkeiten: Welche Anwendungen sprechen mit dem ERP, über welche Schnittstellen, wer verantwortet sie, welche Geschäftsfähigkeiten hängen daran, welche Verträge und Wartungsenden laufen parallel? Erst dieses Bild macht aus einer Aufwandsschätzung eine Risikoplanung — und zeigt, welche Umsysteme man bei der Gelegenheit ablösen statt anbinden sollte.

Lässt sich die Landschaftsaufnahme an Berater delegieren?

Die Methodik ja, das Wissen nein. Berater können strukturieren und moderieren; ob eine Schnittstelle noch genutzt wird und was ihr Wegfall bedeutet, wissen die Fachverantwortlichen. Eine Aufnahme, die deren Bestätigung einsammelt, bleibt als gepflegtes Inventar bestehen — eine reine Berater-Inventur veraltet mit dem Projektende.

Der Schnittstellenkranz, sichtbar gemacht

blueprAInt macht aus der teuren Archäologiephase einen gepflegten Bestand — vor, während und nach der Migration.

  • Der Kranz wird sichtbar: Welche Anwendungen mit dem ERP sprechen, wer sie verantwortet und welche Geschäftsfähigkeit daran hängt, steht als bestätigte Angabe im Bestand — keine Projektfolie von vorletztem Jahr.
  • „Was bricht bei Ablösung?" ist ein Klick: Jede Abhängigkeit kennt ihre Gegenseite. Die Frage, die sonst Interviews und Codegrabungen kostet, beantwortet die Landkarte sofort.
  • Bereinigen mit Daten: Verträge, Wartungsenden und Nutzung der Umsysteme stehen daneben — die Kandidaten, die vor der Migration rausfliegen sollten, sortiert der Bestand von selbst nach oben.
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